Was die erste sprechende Puppe sagen wollte - Wissenschaft aktuell

2023-02-22 18:24:50 By : Mr. Bieber He

"Die Toneindrücke sind auf einem Zinn-Zylinder, klein oder groß je nach Anzahl oder Länge der Sätze, welche sich dreht, wenn das Uhrwerk sie startet", schrieb die Zeitung "New York Press" am 30. November 1888. Diese und andere Hinweise auf die Geburtsstunde der sprechenden Puppe entdeckten die Historiker Patrick Feaster von der Indiana University und René Rondeau vom kalifornischen Corte Madera in den Archiven. Sie wurden tätig, nachdem das Team um Carl Haber und Earl Cornell vom staatlichen Lawrence Berkeley National Laboratory die Aufnahme entschlüsselt hatten.

Die vier Sätze des Gedichts befanden sich auf einem schmalen Zinn-Ring von rund 6 Zentimetern Durchmesser und nur 3,4 Millimetern Dicke. In das weiche Metall war die Tonspur graviert - nicht als Zickzacklinie, wie später bei Schallplatten genutzt, sondern in Edisons früher "Meißel-Technik", bei der kurze und längere Vertiefungen hintereinander den Tonabnehmer auslenkten. Die Form erinnert an die länglichen Vertiefungen, die bei heutigen CDs unter der hohen Auflösung eines Rasterkraftmikroskops zu sehen sind. Dieser Ring hatte jahrzehntelang unbeachtet im Museum des "Thomas Edison National Historical Park" in Menlo, New Jersey, gelegen, weil er wegen der starken Knicke mit herkömmlichen Methoden nicht mehr abzulesen war. Haber und Cornell jedoch schoben den Ring auf eine Röhre und scannten ihn in drei Dimensionen, um daraus ein digitales Abbild der Oberfläche zu erstellen. Eine Bildbearbeitungssoftware half dann, die Bildinformation in hörbare Töne zu wandeln. [www.nps.gov/edis/photosmultimedia/talking-doll-record-hear-the-recording.htm]

Edisons neuartige "Talking Dolls" waren rund 18 Zentimeter hoch. In ihrem metallenen Bauch saß ein wenige Zentimeter hoher Phonograph - seine Kurbel ragte aus dem Rücken der Puppe, sein Schallrohr war auf Löcher im Bauch gerichtet. Um das Spielzeug im großen Stil auf den Markt zu bringen, hatte Edison im Herbst 1888 offenbar mehrere Frauen angestellt, die eine große Menge der Metallzylinder mit Kinderreimen besprachen, wie die "New York Evening Sun" am 22. November des Jahres berichtete: "Da waren zwei junge Damen im Raum… die unablässig in die winzigen Sprechmaschinen redeten, die ein fleißiger Arbeiter in großer Zahl produzierte." Letztendlich brachte Edison die Puppen erste im April 1890 auf den Markt und hatte - aus heute unklaren Gründen - mittlerweile von Zinn- zu Wachszylindern gewechselt. Gerade diese waren aber auch deutlich zerbrechlicher. Allerdings galt auch die dürftige Tonqualität als enttäuschend. Schon wenige Monate später stoppte Edison die Produktion, weniger als 500 hatten sich verkauft und zahlreiche davon waren zurückgegeben worden.

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