Einer neuen Studie zufolge schadet die Kapselmaschine der Umwelt weniger als andere Brühmethoden. Aber das stimmt nur zur Hälfte.
Eigentlich war alles klar: Kaffeekapseln, zumindest das Original von Nespresso, bestehen aus Aluminium. Das braucht viel Energie bei der Gewinnung und verschmutzt zusätzlich die Umwelt. Sprich: geht gar nicht.
Eine Studie der Universität von Quebec sagt nun: Kaffeekapseln sind nicht in jeder Hinsicht schlecht. Beim Aufbrühen belasten sie die Umwelt weniger als andere Methoden, weil Kaffee, Wasser und Energie besser dosiert werden, also weniger verschwendet wird.
Beide Betrachtungsweisen kratzen jedoch nur an der Oberfläche des Problems.
Das Original stammt von Nespresso, einer Nestlé-Marke. Die Kapseln sind sehr teuer, George Clooney wirbt für sie. Mittlerweile gibt es auch passende Kapseln von günstigeren Anbietern sowie Kapselmaschinen von anderen Herstellern – zum Beispiel Tassimo.
Die Vorteile einer Kaffeekapselmaschine sind offensichtlich, wenn du sie einmal benutzt hast:
Aluminium benötigt bei Gewinnung und Verarbeitung viel Energie, sehr viel Energie. Zudem wird die Umwelt mit Chemikalien belastet.
Gebrauchte Kaffeekapseln aus Aluminium sind zwar prinzipiell recycelbar, tatsächlich werden sie aber kaum recycelt, sondern meistens verbrannt. Die Aluminiumkapseln bestehen auch kaum aus recycelten, sondern aus neu gewonnenem Aluminium.
Luciano Rodrigues Viana, Doktorant an der Université du Québec, hat sich einen anderen Aspekt angeschaut: Wie schaut der CO2-Fußabdruck aus, wenn er nur die Zubereitung des Kaffees bei sich zuhause betrachtet? Da schnitten die Kaffeekapseln plötzlich nicht mehr so schlecht ab. Im Gegenteil. Seine Studie hat er in einem kurzen Artikel zusammengefasst.
Der Grund ist einfach: Das Aufbrühen von Kaffee mit Filter, French Press oder als Instantkaffee erzeugt mehr Treibhausgase als die Verwendung von Kaffeekapseln.
Die Hobby-Baristas verwenden mehr Kaffee und Wasser als nötig als bei den vorportionierten Kaffeekapseln. Dadurch wird erstens Kaffee verschwendet. Zudem benötigen sie mehr Energie, um das Wasser zu erhitzen und den Kaffee warm zu halten.
Drip-Down-Filterkaffeemaschinen verursachen bei der Zubereitung laut Studie bis zu anderthalb Mal so viele Emissionen wie die Kapselmaschine. In einer Tasse Kaffee (280 ml) aus der Kapselmaschine stecken 14 Gramm Kaffeepulver, in einer Tasse herkömmlichen Filterkaffee dagegen 25 Gramm.
Kritiker der Studie hinterfragen die letztgenannte Zahl. Ihrer Meinung nach verbraucht eine Kaffeemaschine tatsächlich nur knapp über den 14 Gramm der Kapselmaschine.
Jede Brühmethode extrahiert die Inhaltsstoffe und den Geschmack auf unterschiedliche Weise und benötigt daher auch unterschiedlich viel Kaffee. Groß können die Unterschiede allerdings nicht sein, sonst würden viele Leute sehr starken Kaffee trinken – und damit auch die Kapseln höher dosiert sein, um diesen Geschmack zu treffen.
Laut Studie verbrauchen Filtermaschinen mehr Wasser und mehr Energie beim Erhitzen, vermutlich weil mancher Rest in der Kanne weggeschüttet wird. In einem Punkt ist es jedoch klar: Filtermaschinen, die den Kaffee warm halten, verbrauchen mehr Energie als Kapselmaschinen.
Das gleiche Argument führt die Studie bei der Glaskaraffe an, bei der der Kaffee nach Ablauf der Brühzeit mit einem Sieb nach unten gedrückt wird – die Stempelkanne oder French Press.
Die Nutzer würden zu viel Kaffee verwenden und zu viel Wasser aufkochen, sodass am Ende der Rest weggeschüttet wird. Das passiert bei einer Kapselmaschine nicht, bei der der Kaffee bereits in der Kapsel passend dosiert ist.
Trotzdem legt die Studie hier den Finger in eine Wunde, die gerne übersehen wird. Viele Menschen verschwenden bei der Zubereitung des Kaffees Pulver, Wasser und Energie.
Beim Abmessen rutscht Kaffeepulver vom Löffel. Im Wasserkocher befindet sich mehr Wasser als nötig. Manchmal kocht er das Wasser ein zweites Mal auf, weil es im Bad etwas länger gedauert hat. Schließlich wird auch nicht wenig aufgebrühter Kaffee weggeschüttet, wenn er in der Kanne kalt geworden ist.
Auch das Aufbrühen mit dem Espressokocher (Herdkännchen, Caffettiera) verbraucht unnötig viel Energie, weil das Kochfeld zuerst das Metall erhitzt. Die Energie, die im Kännchen steckt und nicht ins Wasser übergeht, ist verloren. Beim Abkühlen geht sie in die Umgebungsluft über und heizt den Raum.
Zudem steht der Espressokocher auf einer viel zu großen Herdplatte. Auch hier geht Energie direkt an die Umgebung über. Dies gilt sogar für den Espressokocher auf dem Induktionsherd bei Verwendung einer Adapterplatte.
Wie umweltschädlich sind denn nun die Kaffeekapseln?
Die bisherige Kritik am Kapselkaffee konzentrierte sich vor allem auf das Aluminium: die Umweltschäden bei der Gewinnung, den Energieverbrauch bei der Verarbeitung und den Abfall, der trotz Versprechen kaum recycelt wird.
Doch das ist bloß ein Aspekt, die Studie der Université du Québec betrachtete einen anderen: Was passiert beim Aufbrühen? Tatsächlich müsste eine Ökobilanz den gesamten Produktionsweg betrachten – von Anbau, Weiterverarbeitung, Verpackung, Transport, Röstung, Aufbrühen bis zur Müllentsorgung.
Kaffee belastet die Umwelt. Doch das geschieht nur zu einem kleinen Teil in der Küche. Herstellung und Transport sind die größeren Faktoren. Bei Anbau und Ernte werden Maschinen eingesetzt. Die Planzen werden mit großem Aufwand bewässert. 70 Prozent der umweltschädlichen Emissionen entstehen beim Anbau. Von der Verarbeitung in Fabriken und der Röstung ist kaum die Rede, auch nicht vom Transport um den halben Globus.
Dieser Teil an der Umweltbelastung von Kaffee ist für alle Zubereitungsarten gleich – gleich hoch.
Wir sollten diese Studie nicht als Rechtfertigung der Kapselmaschine lesen. Auch Luciano Rodrigues Viana sieht das so. In einem Interview mit US-Medien empfiehlt er sogar explizit, recycelte Plastikkapseln den Original-Aluminiumkapseln vorzuziehen und am besten ganz auf Kapseln zu verzichten, sogar das Kaffeetrinken einzuschränken.
Die Studie lenkt die Aufmerksamkeit auf einen wichtigen Punkt: Was geschieht in unseren Küchen? Wieviel Wasser brauche ich? Wieviel erhitze ich unnötig? Wieviel Kaffeepulver brauche ich? Verliere ich etwas beim Dosieren? Wieviel Strom verbrauche ich? Wieviel Kaffee kippe ich weg?
Wir haben das selbst in der Hand, Tag für Tag. Doch auch darüber hinaus haben wir einen Einfluss darauf, wie groß die Umweltschäden durch unseren Kaffeekonsum sind: auch bei der Wahl der Brühmethode, also bitte keine Kapselmaschine (sofern sie nicht nur für Gäste angeschafft wird und selten zum Einsatz kommt).
Trink Kaffee nicht wie Wasser, denn dann würde das Koffein auch nicht mehr als Wachmacher wirken. Zelebrier stattdessen das Kaffeetrinken, nimmt dir Zeit für die Zubereitung. Kauf guten Kaffee, am besten Bioware vom lokalen Kaffeeröster. Investiere in gutes Gerät, einen Kaffeevollautomaten oder einen Siebträger, oder lerne, wie du selbst einen leckeren Kaffee aufbrühst.
Die umweltfreundlichste Zubereitung ist laut Studie übrigens der Instantkaffee. Aber den möchte ich allein aus geschmacklichen Gründen wirklich niemandem empfehlen.
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