Durch eine Beschädigung der Messstation "Godess" im Gotlandtief fehlen dem Institut für Ostseeforschung in Warnemünde wichtige Daten. Diese sollten Aufschluss über Abläufe in der Ostsee geben.
von Ramon Gerwien, Ostseestudio Rostock
Die "Godess" ist eine Messstation in der Ostsee weit vor den mecklenburgischen Ufern zwischen der schwedischen Insel Gotland und der lettischen Westküste. Dort misst sie normalerweise wichtige Daten. Doch Anfang Dezember schickte sie ihrem Konstrukteur, Ralf Prien vom Institut für Ostseeforschung in Warnemünde (IOW), eine automatisierte E-Mail: "Hallo, ich bin an der Oberfläche", zitierte der Meeresforscher die Nachricht. Laut Prien sollte sie dort nicht sein, denn der starke Wellengang auf hoher See könnte die Messtation beschädigen. Den Grund für den Fehler kannte zu diesem Zeitpunkt niemand.
Es musste schnell gehandelt werden. Doch die Wege auf dem Meer sind weit. Ein Forschungsschiff des IOW unterbrach seine Aufgabe, um der Messstation zu helfen. Vier Tage später kam das Schiff bei ihr an. Doch es gab ein Problem: Der Kran an Bord war zu schwach, um die schwere Messstation im Ganzen zu bergen. Das Team konnte nur die Messplattform retten. Ein zweites Team musste sich in die Februarstürme wagen. Fahrtleiter Peter Holtermann befürchtete schon, dass die hohen Wellen eine Bergung verhindern. "Doch wir hatten Glück. Für einen halben Tag war die Welle gering genug. Als wir das Gerät an Bord hievten, war ich schockiert. Quadratmetergroße Plastikplanen waren der Grund für den Ausfall der 'Godess'". Der Meereswissenschaftler hatte nicht damit gerechnet, dass solch große Plastikstücke mitten in der Ostsee treiben. "Ich kenne solche Bilder aus Bali, wo man in so einem Plastik-Wassergemisch schwimmt, aber nicht von der Ostsee."
Laut Prien habe der Einsatz kaum Kosten verursacht. "Schlimmer ist, dass uns nun Zahlen von mehr als vier Monaten fehlen." Bis April könne keine Aussagen zur Temperatur, zum Sauerstoff- und Salzgehalt oder zur Wassertrübung gemacht werden. Allesamt wichtige Daten, um die Ostsee zu verstehen, so Prien. Und nur wer die Ostsee versteht, kann sie auch schützen.
Die "Godess" unterscheidet sich von anderen Messstationen. Ein schweres Wagenrad eines Eisenbahnwagons hält eine Winde am Boden in 180 Metern Tiefe. An ihr ist die Plattform mit den Messinstrumenten befestigt. Zu programmierten Zeiten spult die Winde eine bestimmte Länge ihrer Leine ab, die Messplattform steigt nach oben. So kann die "Godess" in allen Wassertiefen messen. Im Gegensatz zu Forschungsschiffen arbeitet sie jeden Tag 24 Stunden lang. Dadurch habe das IOW herausfinden können, dass die Ostsee geschichtet sei, sagt Holtermann. Sauerstoffarmes Nordseewasser liege unter sauerstoffreichem Fluss- und Regenwasser. "Das ist wie ein Latte Macchiato. Oben ist die Milch und unten der Kaffee, aber die vermischen sich nicht gut. Der Ostsee fehlt der Löffel zum Umrühren."
Der Sauerstoffmangel erschwert Tieren und Pflanzen das Leben im Binnenmeer von Natur aus. Treibende Plastikteile machen es nicht leichter. Auch die Wissenschaft schränken sie ein. Dabei werfe die Ostsee noch viele unbeantwortete Fragen auf, sagt Prien. So zum Beispiel, wie Schadstoffe in der Ostsee gelangen. Ist es die Industrie oder die Landwirtschaft? Könnte der Verkehr schuld sein? Doch derzeit entfernt das IOW noch den Müll aus dem Gerät und muss der Frage nachgehen, woher die Plastikplanen kommen.
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