Bei Lidl gibt es nun einen speziellen Löffel mit Wölbung in der Mitte. Damit sollen Verbraucher 20 Prozent weniger Zucker zu sich nehmen. Spielend leicht und sofort, wie der Discounter vollmundig verspricht. Klingt nach PR-Gag. Oder kann der Lidl-Löffel tatsächlich helfen, Zucker einzusparen? FOCUS Online hat bei einer Ernährungspsychologin nachgefragt.
Gesund und grün, so will derzeit der Lebensmittelhandel sein. Auch Discounter Lidl macht mit – und schenkt seinen Kunden seit Donnerstag ab einem Einkaufswert von 25 Euro einen Teelöffel aus Edelstahl mit Wölbung in der Mitte. Das reduziert die Menge, die der Löffel fasst, um 20 Prozent und soll Verbrauchern helfen, Zucker einzusparen ohne Gewohnheiten ändern zu müssen, wie der Discounter erklärt.
Klingt gut, doch funktioniert das? Oder ist das Ganze ein PR-Gag, der der Vermarktung des Discounters dient, der Gesundheit hingegen gar nichts bringt?
Weder noch, findet Nanette Ströbele-Benschop von der Universität Hohenheim: „Portionsgrößen wie die eines Löffels zu reduzieren, ist aus wissenschaftlicher Sicht ein sinnvoller Ansatz, um zu steuern, was wir essen.“ Doch sei die Effektivität bei einem Teelöffel verschwindend gering. „Auf einen gehäuften Teelöffel passen circa 8 Gramm Zucker. Wenn Sie davon 20 Prozent weniger essen, dann bewegen wir uns im Minimalbereich – auch auf Dauer. Hinzu kommt: Wann benutzt man einen Teelöffel mit Zucker? Beim Kaffee- oder Teetrinken, das war’s.“
Trotzdem bewertet die Ernährungspsychologin den Löffel des Discounters positiv. Der Versuch, auf den zu hohen Zuckerkonsum vieler Deutscher aufmerksam zu machen und Strategien aufzuzeigen, ihn zu reduzieren, sei richtig.
Die Expertin erklärt: „Der Mensch denkt in Einheiten, also Portionen, und tendiert dazu, die Menge zu konsumieren, die die Industrie vorgibt. Denn wir erachten sie als angemessen. Wenn Portionen kleiner werden, essen wir auch weniger.“