Was bedeuten uns Erinnerungsstücke? Warum bewahren wir sie ein Leben lang auf und was geben sie uns? SWR 1 Hörer haben uns erzählt, welche Gegenstände ihre Erinnerung beflügeln und warum sie ihnen Kraft, Halt und Lebensmut schenken.
Ein kleiner verrußter Kaffeelöffel, eine alte Hundeleine, eine Halskette mit einem Kreuz oder ein paar Tomatensamen – Erinnerungsstücke sind keine toten Gegenstände. Sie verbinden uns mit geliebten Menschen, schönen Momenten oder überstandenen Krisen.
Erinnerungsstücke haben meist kaum materiellen Wert, ihre Geschichten sind aber eng verstrickt mit unserem Leben. Sie geben uns Halt, machen uns glücklich, lassen uns träumen, nachdenken oder Kraft schöpfen. Mit ihnen erspüren wir heitere und ernste Familiengeschichten, finden Trauernde Frieden oder sie geben Schicksalsgebeutelten Halt.
"Wir können uns den Gegenstand anschauen, wir können den Gegenstand in die Hand nehmen, manchmal sind es vielleicht auch noch Gerüche, die an dem Gegenstand hängen. Dadurch sind das einfach super Auslöser für sehr vielfältige und sehr emotionale Erinnerungen."
„Dieser Kaffeelöffel ist das einzige, was mein Mann und ich retten konnten. Am 24.12.2002 brannte unser neu gebautes Haus ab, durch einen technischen Defekt“, erzählt Christiane Porsch. Die 45-jährige und ihr Ehemann verloren von einem Tag auf den anderen ihr neu gebautes Haus im rheinland-pfälzischen St. Katharinen und ihre gesamte Ersteinrichtung. Seit diesem Unglück bewahrt die gelernte Einzelhandelskauffrau den Kaffeelöffel auf, denn er erinnere sie immer daran, dass man auch das schlimmste Unglück überstehen kann. Heute gebe ihr das Erinnerungsstück Halt in neuen Lebenskrisen.
Ein paar Tomatensamen hat Sylvia Labro aus dem Urlaub in der Provence mitgebracht und eingepflanzt. Jedes Jahr ziehen sie und ihr Ehemann aus den neu entstehenden Samen große Stauden fruchtiger und saftiger Tomaten. Für die 65-jährige und ihren Ehemann ist das rote Gemüse nicht nur kulinarischer Genuß sondern Erinnerung an eine unbeschwerte und glückliche Zeit, in der sie noch nach Frankreich reisen konnten. Seit einigen Jahren sei das aufgrund einer Erkrankung nicht mehr möglich, erzählt Sylvia Labro, doch mit dem aromatischen Duft und dem frischen Geschmack der Tomaten fühle sie sich wieder in die Provence zurückversetzt.
Auch im Trauerprozess um die geliebten Eltern, Großeltern oder Lebenspartner können Erinnerungsstücke eine große Stütze sein. Damit verbundene Rituale und Verhaltensweisen helfen dabei, den Todesfall besser zu verarbeiten. Matthias Pflugradt trägt jeden Tag, die von seinem geliebten Onkel geerbte Halskette mit einem Kreuz als Anhänger um den Hals. Das gebe ihm Kraft und Halt, sagt er, und erinnere ihn an die Charakterstärke und den tiefen Glauben seines Onkels, der Missionar gewesen war.
Für viele Menschen ist auch der Verlust eines geliebten Tieres sehr schmerzhaft. Kirsten Katz hat eine alte Leine und ein altes Stofftier ihres verstorbenen Tibet-Terriers in einer kleinen Kiste aufbewahrt. Die Erinnerungsstücke an ihre Hündin Na-Thaya, die über 16 Jahre alt wurde, mildern die Trauer, sagt die 63-jährige Schorndorfer Stadträtin, und so bleibe ihre geliebte Hündin immer Teil ihres Lebens.
Der Standpunkt von Mark Kleber
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2022-08-21 SWR1 Sonntagmorgen – Standpunkt Übergewinnsteuer MoVo: 2,4 Cent pro Kilowattstunde – so hoch wird ab Oktober die Gasumlage. Und die belastet Familien mit mehreren hundert Euro im Jahr. Deshalb wird viel diskutiert über Entlastungen gerade für mittlere und untere Einkommen, aber auch darüber, woher die Milliarden für die Entlastung denn kommen sollen. Und da fällt immer wieder der Begriff „Übergewinnsteuer“. Diese Steuer soll vor allem die Gewinne von Energiekonzernen abschöpfen, die in Folge des Ukrainekrieges rasant gestiegen sind. Die „Übergewinnsteuer“ ist heftig umstritten, trotzdem findet mein Kollege Mark Kleber sie eine richtige Idee. „Übergewinnsteuer“, ja, ist komplex, aber erst mal geht es ganz einfach um zwei Fragen: Was ist gerecht? Und: was ist machbar? Das mit der Gerechtigkeit ist so eine Sache, aber eines ist unbestritten: Gerade die Energiekonzerne machen einen Riesengewinn. Ohne, dass sie dafür etwas Besonderes geleistet hätten, wie z.B. einen bahnbrechenden Impfstoff entwickelt. Sie profitieren einfach vom Krieg. Andererseits werden gerade ärmere Haushalte ab dem Herbst massiv unter den höheren Energiepreisen leiden. Und diese Schere finde ich persönlich nicht gerecht. Deshalb fände ich es gut, wenn Konzerne ihre Rekordgewinne nicht komplett einstecken, sondern einen Teil davon abgeben, damit der Staat damit wiederum Leute entlasten kann. Man könnte das vielleicht auch Solidaritätssteuer nennen. Nach einer neuen Studie könnte der deutsche Staat mit einer solchen Abgabe auf Krisengewinne bis zu hundert Milliarden Euro im Jahr einnehmen. Theoretisch. Aber geht das auch praktisch? Kritiker sagen: Die Tücke liegt im Detail. Und da haben sie recht. Denn: Wie z.B. berechnet man den Übergewinn? Für welche Unternehmen oder Branchen soll die Steuer gelten? Wäre sie überhaupt verfassungsgemäß? Alles berechtigte Fragen. Aber: Es geht! Das zeigen Beispiele aus anderen Ländern. Italien und Großbritannien zum Beispiel haben bereits eine Übergewinnsteuer eingeführt. In Großbritannien hat sie sogar eine lange Tradition. In dieser Krise braucht der Staat zusätzliche Einnahmen. Deshalb bin ich dafür, dass diejenigen, die von der Krise massiv profitieren, auch stärker helfen, ihre Folgen abzumildern. Der soziale Frieden hängt für mich auch davon ab, wie in dieser Frage soziale Gerechtigkeit aussieht. Also: Warum versuchen wir es nicht einfach?
Erinnerungsgegenstände- Gespräch mit Dr. Tabea Wolf
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