Was haben gratinierter Ziegenfrischkäse, Whiskey-Barbecue-Sauce und Eisbärenpups gemeinsam? Gar nichts; möchte man im ersten Moment sagen. Weiß man aber, dass es sich beim Eisbärenpups nicht etwa um die Flatulenzen eines Arktisbewohners, sondern um ein Strudelgebäck mit Äpfeln handelt, kommt man zumindest zu dem Schluss, dass es sich bei allen drei Dingen um etwas Essbares handelt. Aber das ist noch nicht alles: Ein Blick ins Rezept, beziehungsweise auf die Zutatenliste verrät die eigentliche Gemeinsamkeit: überall kommt Honig zum Einsatz.
Herscheid - Wer glaubte, Honig eigne sich in erster Linie als Brotaufstrich, allenfalls noch aufgelöst in heißer Milch, der wurde in der Lehrküche des Bildungszentrums Rahlenberg eines Besseren belehrt. Zusammen mit dem Imkerverein hatte die SGV-Abteilung Herscheid zum Kurs „Kochen mit Honig“ eingeladen; und so manch einer der Teilnehmer staunte nicht schlecht, wie vielseitig Honig in der Küche eingesetzt werden kann.
Bevor aber die Kochlöffel geschwungen wurden, gab es eine kleine Honigverkostung: Die Imker Katharina und Frank Esser hatten dazu drei verschiedene Honige aus ihrer eigenen Produktion mitgebracht: einen Frühjahrsblütenhonig sowie einen Sommerblütenhonig – letzteren in cremiger sowie in flüssiger Konsistenz.
Sortenreinen Honig könne man hier im Sauerland nicht ernten, erklärte Katharina Esser, da das Blütenangebot zu vielfältig sei. Selbst wenn es ein bestimmtes Blütenfeld in der Nähe des Bienenstocks gebe, könne es genauso gut passieren, dass die Bienen dies gar nicht ausschließlich anfliegen; immerhin entfernt sich eine Biene auf Nahrungssuche bis zu drei Kilometer von ihren Stock. Darum benennen die Hobbyimker ihren Honig nach der Zeit der Ernte und nicht, wie man es aus dem Supermarkt kennt, nach dem Inhalt.
Bei den insgesamt neun Speisen, die von den Teilnehmern zubereitet wurden, kam überwiegend Sommerblütenhonig zum Einsatz. „Es macht Sinn, sich zu überlegen, welchen Honig man für welches Gericht verwendet“, sagte Katharina Esser. Honig habe bereits ein relativ starkes Eigenaroma; das passe natürlich nicht zu allen Gerichten, erklärte die Imkerin. „Man muss gucken, wie man es kombiniert.“
Bei der Möhren-Ingwer-Honig-Suppe passe der blumige Geschmack des Sommerblütenhonigs, so Esser. Bei einer Kartoffelsuppe sei er hingegen vermutlich eher unpassend. Bei der Zugabe von Honig gehe es nicht ausschließlich darum, eine Speise zu süßen, erklärte Esser. Durch das Eigenaroma und die Säure des Honigs werden Speisen „abgerundet“. So bringe Honig eine eher abgerundete Note ins Essen als reiner Haushaltszucker, sagte Esser.
Die Kursteilnehmer waren jedenfalls hellauf begeistert, wo man Honig überall einsetzen konnte. Nach einer guten Stunde eifrigen Schnippelns und Rührens, Kochen, Braten und Grillens – bei Temperaturen um den Gefrierpunkt durchaus eine Herausforderung für den Grillmeister –ging es endlich ans Schlemmen. Zwischen genüsslichem Schweigen und anerkennendem „Hmm!“ hörte man auch immer wieder „ganz hervorragend“.
Und welche Speisefolge hatte sich das Imkerehepaar Esser für die Kursteilnehmer ausgedacht? Den Auftakt machte der gratinierte Ziegenfrischkäse; zusätzlich gab es Salat mit einem Honig-Senf-Dressing. Darauf folgte glasierter Lachs von der Planke, dazu Honig-Senf-Sauce. Als Zwischengang gab es die Möhren-Ingwer-Honig-Suppe, bevor der Hauptgang – Krustenbraten sowie lackierte Drumsticks mit Whiskey-BBQ-Sauce – serviert wurde. Den Abschluss bildete schließlich der Eisbärenpups.
Honig-Senf-Sauce (ergibt fünf Flaschen mit je 150 Milliliter). Zutaten: 1 Teelöffel Knoblauchgranulat, 1 Teelöffel Zwiebelgranulat, 1 Teelöffel Pfefferkörner, eine Messerspitze Chili, 1 Teelöffel Backkakao, 250 Gram Honig, 350 Gramm Senf mittelscharf, 60 Milliliter Apfelsaft. Zubereitung: Die Gewürze mit Ausnahme des Kakaos in einer Mühle fein mahlen. Mit den übrigen Zutaten erhitzen und fünf Minuten leicht köcheln lassen. Das Verhältnis Senf/Honig nach Geschmack einstellen. Heiß abfüllen und verschließen. Möhren-Ingwer-Honig-Suppe. Zutaten: 1 Esslöffel Butter, eine Zwiebel, 400 Gramm Möhren, 1 Esslöffel Ingwer, ein bis zwei Äpfel, eine Knoblauchzehe, 750 Milliliter Gemüsebrühe, 1 Teelöffel Curry, ein halber Teelöffel Chiliflocken, zwei Esslöffel Honig, 100 Milliliter Sahne, Salz und Zitronensaft. Zubereitung: Zwiebeln und Möhren schälen und würfeln. Äpfel schälen, entkernen und fein würfeln oder raspeln. Den Ingwer schälen und fein hacken oder reiben. Aufgepasst: Der Ingwer sollte nicht überdosiert werden! Den Knoblauch schälen und fein hacken oder pressen. Die Butter zerlassen und die Zwiebel- und Möhrenwürfel darin anschwitzen. Äpfel, Ingwer, Knoblauch, Curry und Chili zugeben und kurz mitschmoren. Mit der Gemüsebrühe ablöschen, aufkochen und 15 Minuten köcheln lassen. Den Honig einrühren. Die Suppe fein pürieren. Sahne untermixen. Die Suppe mit Honig, Salz, Zitronensaft, Chili und ggf. Sahne abschmecken. Je nach Geschmack weiteren Ingwer hinzugeben. Einige Minuten mitkochen und noch mal pürieren.